Mi
25
Feb
2009
Einfach luxurioes...
Nach dem Abbruch der Meditation kehrten wir am 17.2. nach Nagpur zurück, annulierten das bereits erstandene Zugticket nach Bhopal und kauften ein Neues für den folgenden Tag. Einmal mehr zeigte sich die Indische Eisenbahn sehr effizient, alles klappte bestens!
Bhopal präsentierte sich uns abwechslungsreich, aber sehr heiss... Den ersten Tag starteten wir mit einem Rundgang durch den muslimisch geprägten Bazaar – und verloren nach etwa 20 Metern die Orientierung... Machte aber gar nichts, wir liessen uns treiben und stellten fest, dass sich die Inder sehr gerne fotografieren lassen, auch in den dunkelsten Gassen. Die gezückten Kameras öffneten uns viele Türen und manches spannende Sujet präsentierte sich uns bereitwillig. Nach 2.5 Stunden Fussmarsch wollten wir den Zoo mit den weissen Tigern und dem ältesten in Gefangenschaft lebenden Löwen erkunden und liessen uns von einer der unzähligen Rickshaws hinchauffieren. Aber der Zoo war, warum auch immer – geschlossen. Die Kassenhäuschen zwar besetzt mit 2 (!) Leuten, aber rein durften wir trotzdem nicht... So machten wir uns auf ins nebenan angelegte Museum of Man, wo verschiedene Dörfer aus allen Teilen Indiens nachgebaut sind – quasi Bhopals Ballenberg... Unser Timing stimmte und wir waren zur wohl heissesten Tageszeit unterwegs... Nach 2 Stunden hatten wir genug und gönnten uns zum Schluss noch eine Indoor-Ausstellung – vor allem weils dort klimatisiert war... Dort viel uns ein Weisser auf – bis dato hatten wir kaum andere Touristen gesehen - und kamen auch ins Gespräch. Frank, ausgebildeter Forstwart, momentan im Theologiestudium, möchtegern-Medizinstudent, der sich auch für Pädagogik interessieren würde und erster Mensch in Shorts, aus Deutschland stammend fragte uns, ob wir mit ihm zum Supermarkt kämen, er hätte da eine Mitfahrgelegenheit... Die sich dann als eine Vespa und ein Motorrad entpuppte... Schliesslich nahm Frank auf der Vespa Platz und wir setzten uns auf das Motorrad... Während der Fahrt führten wir eine rege Unterhaltung mit dem Fahrer über die Frage, wer uns denn erschaffen hätte und über die Vokale in unserem Alphabet, wobei er sehr bemüht war, immer wieder Blickkontakt mit Eva aufzunehmen, die notabene hinter im sass... Jedenfalls kamen wir heil an und gingen dann mit Frank noch was essen, bevor er zu einer Klinik für die Opfer eines Gasunfalls in Bhopal von 1984 fuhr, der mehr als 20'000 Menschen das Leben kostete, weil eine Chemiefirma USD 40 pro Tag sparen wollte – durch Reduktion des Drucks auf ein gefährliches Gas.
Am Folgetag nahmen wir nochmals einen Anlauf, in den Zoo zu gelangen und durften tatsächlich rein... Wir mieteten uns Velos und fuhren voller Erwartungen los – bald machte sich aber Ernüchterung breit. Die Gehege mit den Raubtieren waren entweder leer oder so gross, dass sich die Tiere irgendwo im Hintergrund versteckten... Zudem waren wir – einmal mehr – zur heissesten Tageszeit unterwegs. Ein paar gelungene Bilder waren uns dann doch noch vergönnt, allerdings nicht von den Tieren in den Gehegen, sondern von Affen und einer Rehart, die sich frei im Zoo bewegen durften. Etwas mühsam war die Tatsache, dass die indischen Zoobesucher uns interessanter fanden als die Tiere, ständig mussten wir für Fotos posieren...
Für den nächsten Tag hatten wir uns einen Besuch in Sanchi vorgenommen, einer buddhistischen Pilgerstätte in der Nähe von Bhopal (46km). Leider waren die Züge schon ausgebucht, so dass wir mit dem Bus vorlieb nehmen mussten. Wobei, eigentlich war auch der Bus schon voll – zumindest für unsere Begriffe – für indische Begriffe war da aber noch massenhaft Platz. Wir wurden irgendwo reingequetscht und los gings... Federung hatte der Bus keine, was sich vor allem bei der Vielzahl von Schwellen schmerzhaft bemerkbar machte. Nach 2 Stunden erreichten wir unser Ziel und wurden zuerst einmal mit der Tatsache konfrontiert, dass Touristen für dieselbe Sehenswürdigkeit das 25-fache der Einheimischen bezahlen... Trotzdem, die Stupas und Tempel waren sehr eindrücklich, vor allem in Anbetracht des Alters von bis zu 5'000 Jahren! Auch hier hatten wir wieder unzählige Fototermine... Die Rückfahrt stellte uns dann auf eine harte Probe, wurden wir doch in einem wiederum bereits sehr gut besetzten Bus vorne beim Fahrer platziert (mit 5 weiteren Personen), Adrian auf einem Fell, dass den einen Teil des Motors abdeckte, so dass die linke Backe seines Hinterteils langsam gar gekocht wurde und Eva unmittelbar daneben, auf einer Fläche von vielleicht 20 cm2... Der Bus füllte sich stetig weiter, jeder, der mitfahren wollte, wurde irgendwo untergebracht, so dass wir uns bald nicht mehr rühren konnten. Als Aufsteller gabs dann eine Pause, wobei Fahrer, Ticketchef und der Assistent des Ticketchefs gemütlich ein Teechen tranken und der vollgestopfte Bus bei laufendem Motor 10 Minuten in der Sonne vor sich hin brutzelte... Irgendwie überstanden wir die über 2-stündige Fahrt und gingen in eine indische Fast-Food Kette essen, gönnten uns sogar ein Dessert, was sich noch rächen sollte, vor allem für Adrian...
Ganz feudal reisten wir am 23.2.2009 weiter nach Gwalior, mit dem Shatbadi-Express, dem Prunkstück der indischen Eisenbahn. Unterwegs wurden wir hervorragend verpflegt, schnell gings auch noch, das pure Gegenteil zur Busfahrt am Vortag... Wir genossen es in vollen Zügen...;-) Denn voll sind die Züge immer, egal auf welcher Strecke und zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Reservieren ist absolut unerlässlich, das Buchen im Internet klappt aber hervorragend. In Gwalior war das Hotel zwar teuer, aber auch wirklich besser, sogar Toilettenpapier gabs und das Klo sah aus, als wäre tatsächlich jemand mit einem Lappen am Werk gewesen... Adrians Verdauung begann ein bisschen eigenwillig zu werden, trotzdem wollten wir das Fort erkunden, dass das Gibraltar Indiens sein soll.. Wir wurden nicht enttäuscht, ein imposantes Bauwerk, von beeindruckender Grösse (3 km) und immer wieder erstaunlich fein und detailliert verziert mit Steinmetz-Arbeiten. Nach 4.5 Stunden begannen Adrians Kräfte zu schwinden und wir kehrten ins Hotel zurück. Die Quittung folgte auf dem Fusse, Fieber sowie „Dünnpfiff und kalte Ohren“... Am Abend testeten wir den Room-Service (den übrigens auch das billigste Hotel wärhend 24 Stunden offeriert) und beschlossen, uns am nächsten Tag zu schonen, um fit weiter nach Agra reisen zu können, wo der Taj Mahal auf uns wartet.
Machets guet, Eva und Adrian
