Di
03
Mär
2009
Taj Mahal und weitere Sehenswürdigkeiten
Hallo zusammen,
Dieser Bericht entsteht auf der schoenen Dachterrasse unseres Hotels, ein wahrer Geheimtipp (www.sunderpalace.com).
Nach einem unfreiwilligen Ruhetag in Gwalior (Duenn.... und kalte Ohren von Adrian) haben wir unsere Reise, wie gewohnt, im Zug fortgesetzt. Die Fahrt nach Agra dauerte knapp vier Stunden und führte uns einmal mehr durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Teilweise fuhren wir an Lehmdörfer vorbei, wie sie Eva noch aus Afrika kennt, teilweise an üppigem Grün oder an kahler Hügellandschaft. Manchmal tauchten aus dem Nichts Menschen auf, zu Fuss oder mit dem Fahrrad wo wir nicht wussten, woher sie kamen, geschweige denn wohin sie gingen.
Am Bahnhof nahmen wir die Autorikshaw zum Hotel. Es war bereits dunkel und unserer Fahrer war – wie so viele - der Ansicht, man könne Benzin sparen, wenn man ohne Licht fährt. Uns war es teilweise nicht ganz geheuer und wir waren froh, nach knapp 30 Minuten (ein Pitstop war auch noch inbegriffen) unser Ziel erreicht zu haben. Was für ein Idyll. Die letzten paar Meter gingen wir zu Fuss, da unser Hotel in der autofreien Zone um den Taj Mahal lag. Im kleinen Garten liessen wir uns die kommenden zwei Tage kulinarisch verwöhnen.
Da eine Besichtigung des Taj Mahal am Freitag nicht möglich war, liessen wir uns per Velorikshaw zum Itimad-Ud-Daulah (Baby Taj) fahren. Diese Grabstätte ist Mirza Ghiyas Beg gewidmet, Schwiegervater vom Kaiser Jahangir. Uns beeindruckte vor allem die feinen Einlegearbeiten (mosaik-ähnlichen) auf dem weissen Marmor. Hauptsächlich Blumen und geometische Muster in rot, organe, braun und grau sind die Motive. Bei der Rückfahrt konnten wir den beiden Riksaw-Fahrern zwei Besichtigungen von Shops bei „Friends“ nicht entgehen lassen, wobei der erste Besuch bei einem Teppichknüpfer sehr interessant war. Die Teppiche waren wunderschön und wären wir nicht auf Weltreise, hätten wir gerne einen gekauft (www.mughalcarpet.com). Der zweite Besuch war so überflüssig wie die Ware teuer!
Endlich Samstag, der Tag an dem Eva den Taj Mahal zum ersten Mal sehen wird. Was für ein eindrückliches Bauwerk. PERFEKT ist das beste Wort um dieses Weltwunder zu beschreiben. Obwohl die Szenerie mit Touristen übersät war, konnte man nicht die Augen vom Gebäude lassen. Die Tatsache, dass es trotz dieses ultimativen Objektes noch Menschen gab, die uns interessanter fanden zu fotografieren, war für uns völlig unverständlich und wir haben zum ersten Mal die Anfragen abgelehnt. Der Geruchssinn wurde im Innenraum um den Sarkophag etwas mehr beansprucht, wenn nicht gar geplagt, gehen hier doch täglich etwa 20'000 nackte Füsse durch. Pfui deibel... Fotografieren war im Innenraum strengstens verboten, schliesslich sollen die Toten hier Ruhe haben – was die Einheimischen aber nicht davon ab hielt, ein Blitzlichtgewitter zu veranstalten, als wären wir auf dem roten Teppich. Nun, von uns werdet ihr keine Bilder des Grabes finden. Dafür einige Aufnahmen der Grabstätte in verschiedenem Licht.
Die letzte Nacht im so friedlichen Hotel Sheela wurde zur Tortur. Am Abend checkte eine Gruppe Australier ein, die nach Agra kamen, um im Garten des besagten Hotels Party zu machen. Trotz verschiedener Interventionen von Gästen und Hotelmanager blieb die Nachtruhe bis nach 03.00h gestört. Am Folgetag haben wir dann wenigstens das Mittagessen als Entschädigung aushandeln können. Am Nachmittag gings weiter mit dem Zug nach Jaipur. Wir haben uns angewöhnt rechtzeitig am Bahnhof zu sein, dem Treiben zuzuschauen macht das Warten kurzweilig. Überhaupt versteht Eva erst jetzt richtig, was Adrian damit gemeint hat, wenn er sagte „das Leben der Inder spielt sich auf der Strasse ab“. Das hört sich verständlich an, wirklich verstehen kann man es aber erst vor Ort.
Spät nachts wurden wir von einem „Monument Jaipurs“ am Bahnhof abgeholt und wir checkten im Hotel Sunder Palace ein. Das bisher schönste Zimmer Indiens erwartete uns. Sauber (keine Kakarlaken oder Küchenschaben), mit Liebe fürs Detail und mit typischen Rajasthan-Dekor eingerichtet.
In etwa zur Morgenstraich-Zeit liessen wir uns ein weiteres Mal von einer Velorikshaw ins Zentrum fahren. Ein älteres Männlein quälte sich mit uns durch die 5 Mio. Stadt. Bevor Eva's Mitleid überhand nahm, waren wir am Ziel und das arme Männlein entpuppte sich einmal mehr als Abzocker und wollte plötzlich mehr Kohle haben. Vorbei wars mit dem Mitleid. Aus dem armen Männlein wurde „e glaine w....“!
Mittels Audio-Guide besichtigten wir den City Palace, wo auch heute noch der Maharaja von Jaipur lebt. Danach stürzten wir uns nach einem Fotostop beim Palast der Winde in die Lauben Jaipurs. Zuvor hängte sich noch ein in Jaipur lebender Frankokanadier sich an unseren Rockzipfel und liess sich auch durch einen ihn-auf-die-Hörner-nehmenden Bullen nicht abschütteln... Zur kaputten Hose meinte er lediglich „Eiii will fix iiit, no problem“. Irgendwie wollte er uns Schmuck andrehen, wahrlich ein seltsamer Vogel. Von einem nicht sonderlich besuchten Aussichtsturm erspähten wir das Tiger Fort, das ebenfalls noch erklommen werden wollte. Ein bisschen Motivationsarbeit seitens Adrian war erforderlich, der Lohn dafür einige schöne Bilder von Jaipurs Dächer.
Heute haben wir noch Royal Gaitor (wo verschiedene Maharajas und ihre Familien ihre letzte Ruhe gefunden haben), Amber Fort und den Lake Palace besichtigt. Lake Palace liess der Maharaja für seine lärmempfindliche Maharani abseits von Jaipur erbauen. Nachdem sie im Palast gestorben war, war der Maharaja so betrübt, dass niemand mehr den Palast betreten oder verlassen durfte. Dies hat sich bis zum heutigen Tag nicht geändert.
Diese Nacht reisen wir mit dem Schlafwagen weiter nach Bikaner, wo wir morgen früh ankommen werden.
Euch no witerhin e scheeni Fasnacht.
Eva und Adrian
