Mo
16
Mär
2009
Bikaner, Jodhpur und Udaipur
Namaste!
Nach einer schlaflosen Nacht erreichten wir am 4. März Bikaner, eine für indische Verhältnisse ruhige Stadt mit wenig Verkehr und Gehupe. Eine richtige Oase in wüsten ähnlicher Umgebung. Bei der Besichtigung des Forts gerieten wir in eine indische Gruppenführung, aus der wir uns französisch verabschiedet und den gut erhaltenen Palast auf eigene Faust erkundet haben. Viel mehr war an diesem müden Tag nicht aus uns herauszuholen.
Donnerstag haben wir für den Besuch im Rattentempel reserviert. Eine grosszügige Reservation, wie sich später herausstellte, da Deshnok ausser der besagten Sehenswürdigkeit nicht viel zu bieten hat. Umso länger beobachteten wir die unzähligen Ratten, die teilweise in desolatem Zustand waren. Erstaunt nahmen wir Kenntnis von zwei Pärchen, wo die Frau jeweils an der Leine des Mannes zu gehen schien. Ein älterer Herr klärte uns auf, es handelte sich um zwei frisch vermählte Paare, die im Tempel getraut wurden. Leider huschte keine Ratte (und schon gar keine Weisse) über unsere Füsse, was angeblich Glück bringen soll.
Tags darauf hatten wir grosses Programm. Am Vormittag spazierten wir durch die Old City mit ihren wunderschönen Havelis (reich verzierte Handelshäuser, beinahe Paläste). Hier begleitete uns ein netter Inder, der Kunstmaler lernt und uns noch ein wenig über das Baumaterial der Havelis aufklärte. Zum Schluss führte er uns über den Gewürzmarkt und zeigte uns, wie wir zum Jain Tempel gelangen. Dort erwartete uns der gut gelaunte und spärlich bekleidete Tempelwächter (ungefähr 32. Generation), der uns den Tempel kurz erläuterte und – natürlich – die Gebühr für unsere Fotoapparate (am liebsten in CHF) einzog. Auf dem Rückweg lud uns ein freundlicher Haushaltwarenhändler zu einem Chay ein. Auf der Treppe seines Geschäftes philosophierte er mit uns über Gott und die Welt – eigentlich philosophierte nur er, unsere spärlichen Beiträge schienen ihn nicht weiter zu interessieren, weswegen wir auch seine Einladung zum Abendessen ausschlugen. Nach unserer Siesta handelten wir mit einem Rickshaw Fahrer einen Preis für eine „Rundfahrt“ aus, die zuerst zur Kamelfarm (um 15.30h werden dort bis zu 300 Kamele erwartet, die von der Wüste hereinkommen) und danach zu einem nahegelegenen königlichen Friedhof gehen sollte. Punkt halb 4 erreichten wir unser erstes Ziel, den königlichen Friedhof, der Gute hatte die vereinbarte Reihenfolge offenbar nicht mehr ganz präsent! Ein wenig verärgert (Trinkgeld gestrichen...), das Spektakel der hereinkommenden Kamele verpasst zu haben, schauten wir uns bei den verschiedenen Grabsteinen um, die bis ins 15. Jahrhundert zurückgehen. Danach fuhr er mit uns durch die Wüste, wobei er immer wieder Gas wegnahm, um Benzin zu sparen, sobald es auch nur ein bisschen bergab ging... Auf der Kamelfarm gönnten wir uns einen kurzen aber amüsanten Ritt auf einem reich dekorierten Kamel. Und was sich anhörte wie der halb verstopfte Abfluss einer Badewanne war das Gurgeln der frisch getränkten Kamele (wobei die sie ihre bläulichen Riesenzunge präsentierten). Ein Tee mit Kamelmilch rundete diesen Ausflug ab.
Nächste Station in Rajasthan war Jodhpur, Blue City. Mit einem belgischen Pärchen eröffneten wir den Tag mit einer Kaffeefahrt zu den Bishnoi (eine sektenähnliche Gemeinschaft mit 29 Regeln). Eigentlich erhofften wir uns von diesem Ausflug einen Einblick in ihren den Alltag; aber leider verkam das Ganze je länger je mehr zu einer Verkaufsveranstaltung für Teppiche, Tücher, Töpfereien etc. Wenigstens gabs ein bisschen Opium (für Adrian), das machte die Sache erträglicher... Es wird geschätzt, dass ca. 20% der Männer opiumsüchtig sind (was dazu führt, dass man vor allem die Frauen arbeiten sieht), aber der Opiumkonsum ist tief in der Kultur verwurzelt und das Problem nur schwer zu lösen. Am Nachmittag haben wir das Fort von Jodhpur bestaunt, das eines der bisher Schönsten war. Die ausgestellten Waffen und Kleider, die schönen Gemächer, Bilder und der Bau an sich waren extrem eindrücklich und wunderschön. Die Aussicht auf Blue City war unbezahlbar.
Am 9. März stand ein Zugtag an. Frühmorgens starteten wir in Jodhpur und gelangten via Ajmer spät abends nach Udaipur. Das verwinkelte Hotel am Lake Pichola zeigte sich uns von der besten Seite, durften wir doch eines der schönsten Zimmer bewohnen. Bei romantischer Sicht auf die Stadt auf der gegenüberliegenden Seeseite liessen wir den Tag auf unserem Balkon ausklingen.
Der Besuch eines Havelis (mit interessantem Museum), des City-Palace und eines Hindu-Tempels standen am Folgetag an. Der City-Palace präsentierte sich reich geschmückt – für das abendliche Holi-Galadiner. Wunderbar die Aussicht auf den See und das Lake Palace-Hotel (gilt als eines der romantischsten Hotels der Welt) von den Palastbalustraden. Nach dem Tempelbesuch genossen wir unser Abendessen auf der Dachterrasse unseres Hotels zum James Bond Film „Octopussy“, der zu grossen Teilen in Udaipur gedreht wurde. Leider war die Qualität der DVD-Anlage etwas fragwürdig, so dass wir den Schluss – unseren Augen zu Liebe – ausliessen. Wir wurden mit eindrücklichen Holi-Feuern (und Feuerwerken, was Eva frohlocken liess...) entschädigt, die überall in der Stadt entfacht wurden; unter anderem unmittelbar unter der Dachterrasse des Hotels. Uns wurde ganz schön warm... Einmalig die nächtliche Aussicht auf den beleuchteten City-Palace!
Mit ein wenig Wehmut machten wir uns am 11.3. in Richtung Flughafen auf; wir hätten es gut noch ein paar Tage in Udaipur ausgehalten. Überall kreuzten ausgelassene und farbverschmierte Leute unseren Weg. Zu Holi „bewaffnen“ sich die Inder mit farbigem Pulver und ein jeder wird damit eingestäubt. Zu unserer Freude funktionierte das Fliegen mit der Biermarke Kingfisher so gut wie das Zugfahren. Am Flughafen kümmerte sich ein Kingfisher-Mitarbeiter rührend um uns, er „höselte“ hin und her wie ein tasmanischer Teufel, wir waren beeindruckt. Beim Abschied erfuhren wir den Grund seiner Bemühungen: nächsten Monat stehen die Lohngespräche an und er gab uns neben seinem Namen die Mailadresse des CEO der Kingfisher-Airline, damit wir für ihn ein gutes Wort einlegen können... Die Fliegerei gestaltet sich ein wenig langwierig, da es einen zusätzlichen Stopp in Mangalore gab (nebst dem uns bekannten Halt in Mumbai). Was sich durchaus etwas beeinträchtigend auf Evas Laune auswirkte, war die Verpflegung – auf allen drei Teilstücken gabs den gleichen Snack (was beim dritten Mal lautstark reklamiert wurde, dafür pimpte Eva das Sandwich mit Ketchup...). Endlich angekommen in Cochin fing uns die örtliche Taxi-Mafia ab – es gab nur ein sündhaft teures Pre-Paid-Taxi, um in die Stadt zu gelangen. Uns schloss sich dann ein Mitarbeiter des Tourismusbüros an, um ein Stück mitzufahren. Das Stück entpuppte sich als ca. ¾ des Weges, wofür er doch grosszügige 10% des Fahrpreises übernahm... aber, das ist Indien! Hundemüde fielen wir noch in den Kleidern in einen tiefen Schlaf, trotz nicht klimatisiertem Zimmer und ca. 80% Luftfeuchtigkeit bei gefühlten 35 Grad...
Am Donnerstag legten wir unser erstes Reisestück auf dem Wasser zurück. Mit einer Fähre eher fortgeschrittenen Alters schipperten wir nach Fort Cochin, ein Stadtteil, der es uns sehr angetan hat. Vor dem Ausstieg sahen wir sogar Delfine in freier Wildbahn – Eva zum allerersten Mal! Wir bestaunten die chinesischen Fischernetze, kauften Langusten und liessen sie uns vor Ort in Knoblauch und Ingwer braten (mmmmmmmmhhhhhhhh!), adoptierten einen Hund (nicht zum ersten Mal, was wohl alle Gehrig-Familienmitglieder wenig erstaunen wird), fotografierten einen schwimmenden Kuhkadaver, klapperten alle Sehenswürdigkeiten ab (zu Fuss!), surften im Internet, flanierten in den mediterranen Gässchen, holten uns einen Sonnenbrand, buchten ein Zugticket, sahen und spürten zum ersten Mal Regen in Indien, fotografierten den Sonnenuntergang und gelangten rennend buchstäblich in letzter Sekunde zur Ablegestelle der Fähre.
Am Freitag dem 13. gelangten wir mit dem Zug nach Varkala – wir wollen ein paar Tage an der Küste ausspannen, reisen ist schliesslich anstrengend... Aber, je näher dem Ziel, desto dunkler der Himmel. Zum Abendessen am Strand gabs ein „gfürchiges“ Gewitter, mit spektakulären Blitzen. Mal schauen, wie lange wir es hier aushalten... Die Unterkunft ist in Anbetracht der CHF 12.50 pro Nacht sehr feudal! Eine Premiere sind die vielen Vorschriften, sogar eine Hausordnung gibt es hier – vielleicht hat das mit der Herkunft des Besitzers zu tun... ein Deutscher.
Bis die Tage,
Eva und Adrian
