Di

31

Mär

2009

Kerala

Namaste!

 

Eigentlich erhofften wir uns von Frank, dem Eigentümer der Villa Anamika, ein paar gute Tipps, aber nachdem wir fünf Tage vergebens nach ihm Ausschau gehalten hatten, entschlossen wir uns kurzerhand, in ein näher am Strand gelegenes Hotel zu ziehen. Dort verbrachten wir 5 weitere Nächte und hatten vor allem mit der immer grösseren Hitze zu kämpfen. Unseren Tagesablauf passten wir dem Thermometer an; von 7 – 10 Uhr Jogging und Strand, danach Frühstück und Siesta, von 15 – 18 Uhr nochmals Strand, anschliessend Abendessen in einem der vielen Restaurants mit wunderbarem Blick auf das Meer.

Anlässlich meines Geburtstages organisierte Eva eine Torte (mehr oder weniger aus 100 % Zucker bestehend) und ein paar Flaschen Kingfisher auf dem Dach unseres Hotels. Dieses wurde offensichtlich nicht zum ersten Mal als Partyraum benutzt, diverse leere Bierflaschen zeugten davon... Jedenfalls reichte das Bier - nach 6-wöchiger Abstinenz – für „e schöne Siech“ und einen schweren Kopf am folgenden Morgen... Nun, wir kehren wieder zurück zur Abstinenz...

 

Gut erholt machten wir uns auf nach Kottayam in die Backwaters, die wir nach einer fantastischen Fahrt mit einer Fähre älteren Jahrgangs erreichten. Die Kanäle waren teilweise komplett mit Pflanzen zugewachsen, kaum zu glauben, dass sie für Schiffe passierbar sind! Bald werden die Kanäle mit Salzwasser geflutet, so dass alle Pflanzen absterben. Der Monsoon wird dann alles wegspülen und der Kreislauf kann von neuem beginnen.

 

Es folgten unvergessliche Tage im Homestay von George Kutty. Am Rande eines riesigen Reisfelds bezogen wir ein blitzsauberes Zimmer. 3x täglich wurden wir in seinem Wohnzimmer von seiner Frau bekocht; was wir an Gewicht verloren hatten, holten wir in kürzester Zeit wieder auf. Alles frisch zubereitet, meist unmittelbar vor dem Essen im eigenen Garten geerntet, so muss es im Paradies sein! Dazu gabs Spaziergänge in den Backwaters, Faulenzen in den Hängematten, Tiere beobachten (Leguane, Geckos, Spinnen, Riesenameisen, Vögel, Schmetterlinge, Libellen), ein Hindu-Festival mit geschmückten Elefanten und bunten Sonnenschirmen in Kottayam und immer wieder spannende Gespräche mit George.

 

Etwas wehmütig verabschiedeten wir uns von George und seiner Familie und machten uns per Bus auf in die Berge Keralas, nach Kumily, wo uns ein Nationalpark erwartete. Vorher stand uns aber noch eine spektakuläre Busfahrt bevor. Wunderschön das Panorama, mit Gewürz-, Gummi-, Tee- , Bananen- und Kurkumaplantagen sowie Dörfern mit hektischem Betrieb. Zur Unterhaltung trug auch unser Busfahrer bei; er lotete die Grenzen der Physik immer mal wieder aus – eigentlich in jeder Kurve – zum Glück hatte Eva Tabletten gegen Übelkeit dabei... Jedenfalls ist uns jetzt klar, wo die Fahrer für das indische Formel 1-Team herkommen...

 

In Kumily wurden wir zu unserer Überraschung erwartet („Are you Eva?“). Der Typ führte uns zum Hotel und wollte partout nicht mehr abschwirren, bevor er uns sämtliche Ausflugsmöglichkeiten erläutert hatte... Das ging solange gut, bis er erwähnte, dass man die Eintrittspreise für den Nationalpark leicht modifziert hatte, plus 300%... Er konnte eigentlich nichts dafür, aber da wir nur ihn hatten, trafs halt den Überbringer der Botschaft... Von da an hatte er einen schwierigen Stand, gelinde ausgedrückt. Was auch immer er vorschlug, er stiess auf wenig Gegenliebe und ein klein wenig Missmut. Er entschloss sich, später nochmals vorbeizuschauen... Wir buchten dann doch noch eine Tour in einer Gewürzplantage und einer Teefabrik bei ihm – und wurden nicht enttäuscht. Trotzdem verkürzten wir unseren Aufenthalt um eine Nacht und reisten früher als geplant nach Munnar, ebenfalls in den Bergen (1550 Meter hoch).

 

Unser Bus sah ein bisschen lädiert aus, so dass wir nicht erstaunt waren, als es ausgangs Kumily bei einer Heiligenfigur einen kurzen Halt gab. Der Türchef (er öffnet und schliesst die Tür für Reisende, ein weiterer Typ kassiert ein und einer fährt) machte eine kleine Spende – nach dem Motto „Gott gebe, dass es hebe...“. Beinahe vergassen wir unsere Reisetabletten, aber nur beinahe. Dank einer netten Inderin dachten wir doch noch daran – sie sass im entgegenkommenden Bus und reiherte, als wir auf gleicher Höhe hielten, fröhlich aus dem Bus... Schlussendlich tuckerten wir auf einer tadellosen Strasse los, unser Fahrer schien zu unserer Beruhigung eher einer der vorsichtigen Sorte zu sein. Allerdings hatte er eine unangenehme Eigenart: je schlechter die Strasse, desto aggressiver sein Fahrstil. Und, die Strassen wurden immer schlechter... Uns wurde Angst und Bange, wir konnten uns kaum auf den Sitzen halten (die Fliehkräfte erinnerten uns an die Herbstmesse) und mehrmals fehlten nur Zentimeter und es hätte geknallt. Die letzte Stunde entschädigte uns mit fantastischen Aussichten auf unendliche Teefelder, die sich uns in verschiedenen Grüntönen präsentierten für die Mühen. Eine nette Unterkunft und ein wunderbar erholsamer Spaziergang in den Teefeldern rundeten den Tag ab.

 

29.3.2009, Tagwache 0500!!! Wir machten den Sunrise-Walk und wurden reich belohnt. Ein einmaliges Schauspiel, die Farbenpracht des Himmels und der Wolken während des Sonnenaufgangs. Nach einem kurzen, aber steilen Aufstieg gabs Frühstück auf dem Gipfel, eine runde Sache... Das Klima lässt auch wieder einen tieferen Schlaf zu und beim Aufstehen klebt nicht mehr das ganze Bettzeugs am Körper... Bitterkalte 15 Grad wird es hier nach Sonnenuntergang! Wir bleiben wohl noch ein paar Tage hier und machen die eine oder andere Wanderung, bevor unsere Zeit in Indien langsam abläuft. Via Chennai peilen wir Bangkok an und hoffen, ein 2-Monatsvisum ergattern zu können.

 

Liebe Grüße

Adrian & Eva

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