Mi
29
Apr
2009
Im Land der Buddhas
Sa-wat-dii allerseits,
Bevor wir unsere Füsse auf thailändischen Boden setzen durften, stand uns eine lange und beschwerliche Reise bevor. Kurz bevor wir Hampi verliessen, liess sich Adrian sein Frühstück nochmals durch den Kopf gehen. Eine Fähren- und Rickshawfahrt konnte er knapp überstehen, bevor er beim Bahnhof ein nächstes Mal rennen musste. Auch Kokoswasser, Immodium und Dafalgan vermochten nicht zu verhindern, dass er den Grossteil der Nacht auf der einladenden Zugtoilette (die Toiletten waren „Indian style“, was Adrian eine gewisse Akrobatik abverlangte...) verbrachte. Kaum in Bangalore angekommen legte ihn Eva mit dem Gepäck irgendwo ab, um Tee und Informationen über die Weiterfahrt zu besorgen. Die sechsstündige Fahrt nach Chennai verlief dann glücklicherweise relativ ruhig. In Chennai entschieden wir uns für ein feudaleres Hotel. Zu den bestehenden Beschwerden (Erbrechen und Durchfall) gesellte sich Fieber. Zu allem Überfluss steckte Bangkok in grösseren Unruhen, sodass unsere Weiterreise an einem seidenen Faden hing. Nichts desto Trotz machte sich Eva auf den Weg die beantragten Visa bei der Thailändischen Botschaft abzuholen. Auf dem Rückweg erstand Eva Electrolytpulver, das Adrian mit dem nötigen Mineralien versorgen sollten. Die Unruhen in Bangkok schienen abzuklingen, so auch das Fieber und unserem Flug nach Bangkok stand nichts mehr im Wege.
Um 05:05h des 16. April 2009 war es dann soweit - wir betraten Thailändischen Boden. Am Flughafen erstanden wir einen Reiseführer, setzten uns anschliessend ins Taxi und fielen eine Stunde später müde und erschöpft in einen ganztägigen Schlaf. Am Abend stellten wir erfreut fest, dass unser Hotel seinem Namen alle Ehre machte – Riverview Guesthouse. Wir genossen unser erster Thailändisches Mahl ebenso wie die wunderbare Aussicht auf den Fluss und die Skyline Bangkoks. In den folgenden Tagen zeigte uns Bangkok ein vielseitiges, sauberes und sehr freundliches Gesicht; wir verliefen uns im MBK, einem gigantischen Einkaufszentrum wo sich Eva auch noch die Haare schneiden liess; wanderten durch die spannenden Märkte Chinatowns (wo selbst tranchierte Fische noch nach Luft schnappen – siehe Video „Chinatown“); absolvierten eine dreistündige Flussfahrt auf einem von Einheimischen rege genutzten Transportboot (quasi das schwimmende Drämmli Bangkoks); besuchten die zweitälteste Schlangenfarm der Welt; verfolgten den Aufbau des legendären Pat Pong Nightmarkets und bestaunten die eindrückliche Tempelanlage Wat Arun. Als wir nichtsahnend zu Fuss auf dem Weg zur Schlangenfarm waren, war Eva plötzlich hell aufgeregt, denn soeben war ein Abschleppwagen mit einem schwarzen Gefährt auf dem Anhänger an uns vorbeigefahren. Das Auto war durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Ohne Zweifel, es war das mit über 100 Schüssen eingedeckte Auto, auf dessen Insassen am Vortag ein Anschlag verübt worden war (das Auto war pausenlos in den Nachrichten zu sehen).
Schon nach wenigen Tagen hatten wir sämtliche öffentliche Verkehrsmittel ausprobiert. Aufgefallen ist uns, dass die Kontrolleure meist weiblich sind. Wer aber nun von einer zierlichen Thailänderin träumt – weit gefehlt. Pedro würde es wohl so formulieren: „vo so einere wettsch ke Chlapf!“.
Nach einer Woche Bangkok und zurückerlangen der Gesundheit kauften wir uns Tickets für unsere erste Zugfahrt in Thailand. Es ging nach Ayutthaya, der ehemaligen Hauptstadt. Bei unerträglicher Hitze und einer Luftfeuchtigkeit von fast 100% erreichten wir nach knapp zwei Stunden unser Ziel und wurden auch schon erwartet. Eine geschäftige Thailänderin holte kurzerhand alle aus dem Zug aussteigenden Touristen ab, um sie in ihrem Guesthouse unterzubringen. Später erfuhren wir den Grund für ihre Tüchtigkeit - sie plant Urlaub in Europa und braucht Geld. Der Zufall wollte es, dass es sich hierbei sowieso um das Guesthouse handelte in welchem wir ein Zimmer gebucht hatten, von einem „free-pick-up-service“ wussten wir allerdings nichts.
Der Ort mit ca. 90'000 Einwohnern hat eine Unmenge an in der Vergangenheit geschändeten und geplünderten, aber dennoch wunderschönen, sehr beeindruckenden Tempelanlagen zu bieten. Davon überzeugten wir uns bei einer dreistündigen Tuk-Tuk-Rundfahrt. Der hiesige Markt bietet alles was der Thai im Alltag so braucht. Es sind auch Dinge und Gerüche darunter, die den Schweizer weniger ansprechen. Eva fühlte sich stark an den Beginn des Films „das Parfüm“ erinnert (glücklicherweise haben wir nicht Grenouilles Fähigkeiten). Eine Metzgerei bietet hier nicht nur Ente, Hühnchen oder Schwein, sondern auch feine Sachen wie Frösche (tot oder lebendig), Wasserschlangen (tot oder lebendig) und allerlei nicht-genau-definierbares (Hirn? Innereien? Gedärme? Schweinsohren?)! Alles zusammen dämpft bei 36 Grad friedlich, täglich mehrere Stunden vor sich hin – aber keine Angst Max, wir essen alles nur „bien cuit“ und schlimmstenfalls sind wir gegen Salmonellen geimpft (mindestens bis Ende Juni). :o))
Weitere 3 ½ Stunden nördlich mit dem Zug erreichten wir Phisanulok, ebenfalls ehemalige Hauptstadt von Thailand, ebenfalls ca. 100'000 Einwohner. Nach dem Check-in in einem eher anonymen Hotel spazierten wir über einen der vielen Märkte. Neben Barbypuppen, Plastikpistolen und Kinderkleidern gab es hier Schweinsköpfe, gegrillte Bananen, frittierte Frösche und sonstiges allerlei. Am Sonntag erkundeten wir die Stadt zu Fuss und fanden uns auf der Suche nach dem zweitwichtigsten buddhistischen Tempel in Thailand nach Bangkoks Wat Phra Kaew (die Grösse der Bedeutung wird von den gesammelten Spenden des Tempels abgeleitet...) in einem weiteren Markt wieder. Wir wissen bis heute nicht, ob die Güter, die hier von den Thai's gekauft werden für ihren Eigengebrauch oder als Spenden für Buddha gedacht sind. Im Tempel drin hatte Eva auf jeden Fall einen kleinen „Ablöscher“, weil ihr das alles etwas zu kommerziell war. Da es in der Nacht zuvor geregnet hatte und die Temperatur leider drastisch sank, sahen wir uns gezwungen, bei 28 Grad (anstelle der üblichen 38) weiter durch die Stadt zu spazieren... Am Abend assen wir auf dem Night Market, wo sich Eva am Folgeabend noch eine Stunde die Füsse massieren liess, die 100 Baht (CHF 3.30) haben wir gerne aufgeworfen. In der Stadt gab es unzählige Foodstalls und wir genossen es sehr, uns treiben zu lassen und uns irgendwo dazuzusetzen und bei einem Red Curry oder einer Tom Yam (Suppe) dem Geschehen zuzusehen. Der Besuch in einem Vogelpark war allerdings eher bedrückend, da die Vögel nicht artgerecht gehalten wurden. Als wir auf dem Weg an einer Zoohandlung vorbeikamen waren wir geschockt, Dutzende Wellensittiche waren in einer Voliere, wo wir maximal Einen halten würden.
Aus klimatischen Gründen müssen wir unsere Reisepläne ein wenig anpassen und werden wohl darauf verzichten, Vietnam, Laos und Kambodscha zu bereisen, so schwer uns das auch fällt. Die grosse Hitze gepaart mit der hohen Luftfeuchtigkeit setzen uns zu, sodass wir nach unserem Thailand Aufenthalt Richtung Malaysien und Singapore weiterreisen wollen.
Nun freuen wir uns aber auf drei Wochen in Begleitung von Adrians Eltern und viele neue Abenteuer zu viert.
Bis bald aus Ko Samui.
Eva und Adrian
