Mo

03

Aug

2009

180 Tage unterwegs...

Salamat Datang,

 

Air Asia hat uns einmal mehr nicht nur effizient nach Malayasia geflogen sondern uns sogleich in einem sehr komfortablen Bus in die Metropole Kuala Lumpur gebracht. Mit der Monorail gelangten wir schliesslich zu unserer Bleibe und uns wurde sofort klar, dass wir in Malaysia nicht das gleiche Preis- Leistungsverhältnis erwarten dürfen wie an unseren bisherigen Destinationen. Auf dem Weg zu den Petronas Twin Towers liefen uns Fränzi und Kristian über den Weg. Bei einem Willkommensdrink tauschten wir uns über die wichtigsten News aus: Jacko's Tod und Christian Gross' Abgang. Beim Nachtessen waren wir bereits zu sechst, Martin und Sara, zwei Weltreisende aus Basel, gesellten sich zu uns und wussten spannendes von ihrer bisherigen Reisezeit zu berichten. Danach gings noch ans umpacken, hatten die beiden uns doch Schoggi, Sonnencrème, Bücher und anderes aus der Heimat mitgebracht.

Tags darauf nahmen wir die erste Etappe mit dem Dschungelzug in Angriff. Von Kuala Lumpur gelangten wir via Gemas nach Kuala Lipis, ein Ort in mitten von Palmölplantagen. Bislang war vom Dschungel eher wenig zu sehen, die Landschaft wurde dominiert von genannten Palmen oder gerodeten Flächen – auf denen wiederum Palmen gepflanzt werden. 60% der Weltproduktion des Palmöls stammt aus Malaysia.

 

Auf Initiative von Fränzi und Kristian machten wir einen Abstecher in die Cameron Highlands. Die direkte Verbindung, die gemäss Fränzis Guide existieren sollte wurde offensichtlich eingestellt, sodass wir nach mehrstündiger Busfahrt die Petronas Towers nochmals grüssen konnten. Von KL gelangten wir weiter per Bus nach Tanah Rata, einem touristischen Ort in mitten von Teefeldern und Dschungel. Es erwarteten uns kühle Temperaturen, Regen und ein Zimmer mit provisorischen Wänden. Bestens konnten wir uns mit Fränzi und Kristian durch die Wände zum Abendessen verabreden... Das die Lüftung der ehemaligen Teefabrik ausgerechnet zwischen 19.00 und 07.30 lief, hielt Kristian anfangs für einen (schlechten) Witz. Zwei Nächte später konnten sie ins untere Stockwerk wechseln und endlich ruhig schlafen. Wir abgehärteten Globetrotter liessen uns vom staubsaugerähnlichen Geräusch natürlich nicht die Nachtruhe verderben. Nebst Dschungelwalks und einer Wasserfalltour lernte Eva noch den „Schieber“ und Kristian verfeinerte seine Schachtechnik. Mit etwas Anfängerglück schlugen die Globetrotter dann tatsächlich die Urlauber, der nächste Sieg ein paar Tage später war dann unser Letzter, es schien ein wenig, als hätten unsere beiden Urlauber nicht mehr DAS dringende Bedürfnis nach dem beliebten Schweizer Kartenspiel...

 

Nach einem weiteren Reisetag (KL zum 3.) fanden wir uns erneut in der einfachen Unterkunft in Kuala Lipis wieder, von da aus gings am nächsten Morgen (04.51!!!!) mit dem Dschungelzug die zweite Etappe nach Wakaf Baharu. Die Bahnlinie führte mitten durch den dichtesten Dschungel, teilweise reichten die Äste bis direkt an den Zug. Die Stimmung, die sich in der Morgendämmerung bot, war unvergleichlich; das satte Grün des üppigen Urwalds, die Nebelschwaden, die braunen Flüsse sowie die vereinzelten Hütten der Bahnlinie entlang. Von Wakaf Baharu fuhren wir mit einem Mercedes Jahrgang '82 nach Kota Bharu. Spannend gestaltete sich ein Besuch im Kulturzentrum und vor allem der Rundgang durch das mehrstöckige Marktgebäude. Dass es Rindfleisch in Form von getrockneten Spähnen gibt, wussten wir bis dahin nicht. Das „Versuecherli“ vermochte uns dann aber nicht die erforderlichen fünf Ringgit zum Erwerb einer grösseren Menge zu entlocken...

 

Eigentlich wollten wir als nächstes auf die Perhentians – nur wollte uns leider niemand ein Zimmer geben. Da die Ostküste mit Ausnahme von verschiedenen Inseln nicht wirklich viel zu bieten hat, steuerten wir kurzerhand Pulau Kapas an – ein Geheimtipp von Martin und Sara. Auf Kapas erwartete uns eine relaxte Atmosphäre, ca. 7 Unterkünfte, 15 Dauerbewohner, zwei Hände voll Touristen, ein beeindruckender Urwald und eine wunderschöne Unterwasserwelt. Die ersten beiden Nächte verbrachten wir im Lighthouse beim Kaptan. Der ehemalige Royal Malaysian Air Force Helikopter Pilot, später flog er für Shell vom Festland auf Ölbohrplattformen, führte uns durch sein Pfahlhaus und stellte uns die diversen Bewohner vor: Jane, eine wachsame Hündin und Joe, ein giftgrünes und ebenso giftiges Baumvipernbaby (ca. 90 cm). Joe hatte sein Plätzchen gleich neben dem Treppengeländer auf dem Ast eines Baumes von dem aus er des Nachts Insekten jagte. Die vier weiteren Nächte (das Lighthouse war ausgebucht) verbrachten wir ein einem schönen Bungalow mit Meersicht. Am ersten Abend überraschte uns gleich neben unserer Bungalowtreppe eine Python von respektabler Grösse (ca. 1.80m). In kürzester Zeit versammelten sich Hotelangestellte und -gäste um unser Bungalow. Der Chef des Hauses wollte das Tier einfangen und im Dschungel wieder freilassen. Doch bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte, musste er unserem deutschen Nachbarn Platz machen, damit dieser aus bester Position seine Bilder machen konnte. So einfach liess sich die Schlange nicht einfangen und sie verdrückte sich in eine Zwischenwand unseres Badezimmers. Mit einem Badetuch verstopften wir den Abfluss und nahmen uns fest vor, diese Nacht nicht aufs Klo zu gehen. Ach ja, da war noch was – eine handtellergrosse Spinne hatte es sich in unserem Badezimmer gemütlich gemacht. Unser verhinderter Schlangenfänger kam so doch noch zu einem Erfolgserlebnis. Er geleitete die Spinne (zur Freude von Eva) in tierfreundlicher Manier nach draussen. Wunderbar erholt waren wir bereit für die kommenden Abenteuer: Schnorcheln (Clownfische, Rochen, Papageienfisch, Seeigel, Hirnkorallen, riesige Muscheln uvam.), Kanu-Tour zur nächsten Insel, Abendessen bei einem Insel-Original, der immer davon sprach einmal nach Tann reisen zu wollen und die abenteuerlichsten Schauermärchen erzählte, faulenzen, jassen, lesen. Eigentlich schien uns der Dschungelspaziergang auf die andere Inselseite eher ein unspektakuläres Projekt zu sein, doch uns wurde schon auf den ersten Metern klar, dass da eine grössere Aufgabe auf uns wartete. Abenteuerlich war bereits die Wegbeschreibung des erwähnten Inseloriginals: "Go to the Kapas Resort and find room Nr. 51, there you'll find the path into the jungle...". Die Beschreibung war dann allerdings absolut präzise und perfekt, es konnte losgehen. Nachdem Eva noch einen riesigen Waran davonrennen sah, waren wir sofort von dichtestem Dschungel und einer unglaublichen Luftfreuchtigkeit umgeben. Adrian führte Gruppe Gelb mit grösster Sorgfalt durch das Unterholz. Der Weg war schlammig und öfters behinderten uns umgekippte Baumstämme. Eva plagte neben der feuchten Hitze auch ein am Vorabend verstauchter Zeh, doch tapfer kämpfte sie sich über alle Hindernisse hinweg. Höhepunkte waren mehrere Tausendfüssler von beeindruckender Grösse und natürlich die von Fränzi entdeckte Schlange (dünn und beinahe perfekt getarnt bewegte sie sich im Geäst). Als Belohnung gabs am Ende eine imposante Felsenbucht und – weniger erfreulich – einen riesigen Abfallberg.

 

Visumsangelegenheiten zwangen uns aufs Festland, sodass wir vorzeitig Richtung Pulau Tioman abreisten. In Kuantan, wo wir ausser dem Busbahnhof und einem ziemlich widerlichen Hotelzimmer kaum etwas sahen, erledigten wir unsere administrativen Aufgaben. Am 22. Juli kamen wir per Schnellboot nach Pulau Tioman, eine etwas grössere Insel mit mehreren touristisch erschlossenen Stränden. Auch hier wurde uns aus tierischer Sicht einiges geboten; 2 Meter grosse Warane spazieren selenruhig durch Hotelanlagen, grosse Boa's hängen gemütlich nicht in den Seilen aber in den Bäumen, Seeadler kreisen am Himmel und Affen stibitzen einem die Mangos von der Veranda.

 

Am darauffolgenden Sonntag stiessen Fränzi und Kristian wieder zu uns. Wir beschlossen am Montag eine weitere Dschungelwanderung zu unternehmen. Nach knapp 3 Stunden atemberaubender Wanderung durch dichten Urwald gelangten wir nach Juara, einen kleinen Ort auf der anderen Seite der Insel. Einmal mehr kreuzte eine Schlange unseren Weg – dieses Mal ein kleineres Exemplar mit einem schmucken gelben Band. In Juara genossen wir ein feines Essen mit Blick auf türkises Meer und weisse Sandstrände. Fränzi und Kristian wären beinahe über Nacht in diesem Paradies geblieben, wir hatten keine Wahl, begann doch am Folgetag um 9.00 Uhr unser nächster Tauchkurs... Reichlich müde erreichten wir nach ca. 18 zurückgelegten Kilometern unsere sehr gemütliche Unterkunft. Der PADI Advanced Open Water – Kurs beinhaltet 5 Tauchgänge inklusive Theorie. Nicht umgehen konnten wir einen Navigations- sowie einen Tieftauchgang. Dazu wählten wir Fisch-Identifikation, Peak Performance Buoyancy und Boat Dive. Unbestrittner Höhepunkt waren die Wasserschildkröten, die wir beobachten durften. Die Eleganz dieser an Land eher schwerfälligen Tiere vermochte uns zu verblüffen. Des weiteren begegneten uns verschiedene Bat-Fische, Papageienfische, Wrasse sowie riesige Hirnkorallen uvam. Fränzi (schnorchelnd) und Kristian (tauchend) begeleiteten uns am zweiten Tag, als wir auf 31m abtauchten. Etwas mulmig war uns schon zu Mute, aber schlussendlich stellte sich die Tiefe weniger als Problem heraus; viel mehr wurde es gefährlich, als wir bei rauher See wieder an die Oberfläche gelangten und ordentlich Mühe hatten, wieder ins Boot zu klettern. Nur den Seasick-Pills war es zu verdanken, dass wir unser Frühstück bei uns behalten konnten... Die knapp 1-stündige Rückfahrt in der überfüllten Nussschale der Tauchschule vermochte uns voll und ganz für die kommende Herbstemesse, die wir bekanntlich verpassen werden, zu entschädigen. Voller Stolz dürfen wir uns nun Advanced Open Water Divers nennen. Gemeinsam machten wir uns frühmorgens am 30. Juli auf in Richtung Singapur, mussten dann aber ziemlich überstürzt von Fränzi und Kristian Abschied nehmen, da ihr Bus früher losfuhr. So machten wir uns nach drei Wochen gemeinsamen reisens in altbekannter Besetzung auf, den Stadtstaat Singapur zu erkunden.

 

Malaysia hat uns als Reiseland grösstenteils positiv überrascht; sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, ein eher liberal gelebter Islam, eine in Bezug auf die Transportmittel sehr moderne und preiswerte Infrastruktur, absolut überwältigende Pflanzen- und Tierwelt sowohl über als auch unter Wasser, dem gegenüber standen in Relation zu den Preisen sehr bescheidene Unterkünfte.

 

Bis bald

Eva und Adrian

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