Mo
07
Sep
2009
Endlich zu dritt - Eva, Adrian und THE BEAST
Hi Mates,
Über uns ein unendliches Sternenmeer, ein Neumond, so intensiv, dass wir Schatten werfen. Um uns herum dichter Urwald, zwei leuchtend rote Augen hüpfen vorbei – ein Wallaby. Wir sitzen im Nightcap National Park und beginnen diesen Bericht zu schreiben.
So begannen wir den Bericht über unsere Zeit in Singapore und New South Wales, Australien. Doch nach drei Zeilen war uns klar, dieser Ort ist zu romantisch, um einen Reisebericht für die daheimgebliebenen zu verfassen – IHR MÖGT ES UNS NACHSEHEN...
Nun sitzen wir wiederum unter freiem Himmel, der Mond beleuchtet die vorbeiziehenden Wolken und die freiliegenden Sterne sind zum Greifen nah. 50 Meter neben uns brausen die Autos auf dem Bruce Highway vorbei – Romantik pur auch hier, aber eben eher Trucker-Romantik, so dass dem Berichteschreiben diesmal nichts im Wege steht.
Seit unserer letzten Wortmeldung ist ein ereignisreicher Monat ins Land gezogen. Singapore hatte für uns zwei Schwerpunkte. Einerseits mussten wir die letzten Formalitäten für unser Australien-Visum erledigen, andererseits durften wir ein letztes Mal vom günstigen Preisniveau Südostasiens (mit Ausnahme der Touristenattraktionen profitieren).
Aufgrund der bisher bereisten Länder verlangten die Aussies ein Lungen-Röntgen-Bild von uns. Indien, Thailand, Indonesien und Malaysia gelten als „Tuberkulosehochrisikogebiet“. Online durften wir uns eine Röntgenklinik in Singapore aussuchen, welche sich als supereffizient erwies. Innerhalb einer viertel Stunde war alles erledigt und die Resultate wurden von der Klinik – ebenfalls online – weitergeleitet. Nun hofften wir auf baldigen positiven Bescheid.
Die Wartezeit vertrieben wir uns mit einem neuen Haarschnitt und delikatem Essen in einer der unzähligen Essensbuden. Den CH-Nationalfeiertag begingen wir mit einem Kinobesuch, Ice Age 3 in 3D wusste uns bestens zu unterhalten. Ein Höhepunkt war sicherlich der Besuch des Botanischen Gartens mit einem Stück Primärregenwald, dem fantastischen Orchideengarten und dem Ginger-Walk. Ein riesiges Thali rundete den Besuch ab (siehe Foto, das hinter dem Thali ist Adrian smile). Am Tag vor Eva's Geburtstag erhielten wir das langersehnte OZ-Visum. Umgehend machten wir uns auf den Weg zum Qantas-Büro, um unseren Flug nach Möglichkeit vorzuverschieben. Und tatsächlich, nebst einer Taucherbrille gabs ein weiteres Geburtstagsgeschenk für Eva, wir durften am 5. August in die Luft. Wir gönnten uns ein feines Geburtstagsessen in Singapores beeindruckendem Flughafen. Besonders angetan waren wir vom Kakteengarten auf dem Dach.
Wir haben Singapore als äusserst moderne und saubere Stadt erlebt. Allerdings steht auch so ziemlich an jeder Ecke ein Verbotsschild und die Bussen für Vergehen jeder Art sind astronomisch hoch. Singapore ist mit seinen unzähligen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten sicherlich eine Reise wert, allerdings nicht für Budgetreisende. Die multikulti-Bevölkerung ist sehr geschäftig, ständig am Handy, immer am Drängeln und vermutlich mehrmals am Tag am Essen – anders lässt sich die Dichte an Essensgelegenheiten nicht erklären.
Am frühen Morgen des 6. August setzten wir unsere Füsse auf Australischen Boden. Ganz Europa würde flächenmässig in Australien Unterschlupf finden; allerdings leben nur ca. 21 Mio. Menschen hier, ein Fünftel davon alleine in Sydney. Da unser Hostel-Check-in erst am Nachmittag möglich war, machten wir uns von einem deftigen Breaky gestärkt auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz, der für die nächsten sechs Monate unser Zuhause sein sollte. Nach zweitägigem Suchen fiel unsere Wahl auf.... THE BEAST!!! Ein weisser Mitsubishi Express 4WD (!!!), der nach unseren Wünschen umgebaut wurde. Grosses Bett, zwei-Platten-Gasherd, Abwaschbecken, genügend Stauraum. John, unser australischer Autoverkäufer, versicherte uns, dass wir den Cääämperväään zu einem guten Preis wieder verkaufen können. Den Grund lieferte er uns gleich mit: „Because I'm gonna help you and I'm damn good, I'm Shoemaker!“ - auch wir hatten nach zahlreichen Unterhaltungen mit John keine Zweifel daran, dass er der Michael Schumacher unter Sydneys Autoverkäufern ist. Die Stunden, die wir in seiner Garage verbracht haben, gehören wohl zu den unterhaltsamsten unserer Reise („to cut a long story short“ – und dann holte er tief Luft für eine neue, aber sicher nicht kurze Story).
So ganz nebenbei wollten wir doch auch noch ein wenig was von dieser grandiosen Stadt sehen! So machten wir uns auf in Richtung zum Circular Quai um die Ferry nach Manly zu nehmen. Eva klagte schon am Vorabend über Bauchschmerzen, doch wir massen dem keine allzugrosse Bedeutung bei. Die Fahrt mit der Fähre war unbeschreiblich schön, das Opernhaus aus allen Perspektiven, die Skyline der Stadt von der schönsten Seite, die beeindruckenden Felswände von South-Head und vor allem North-Head wussten uns zu beeindrucken. In Manly erwartete uns zu unserer grossen Überraschung – ALDI. Als preisbewusste Reisende nutzten wir die Gelegenheit für einen günstigen Einkauf. Eva's Bauchschmerzen verschlimmerten sich stetig, sodass wir früher als geplant die Fähre zurück nahmen. Am Circular Quai angekommen, war Eva das aufrechte Gehen nicht mehr möglich. Adrian erkundigte sich nach dem nächsten Spital und kurz darauf fanden wir uns in der Notaufnahme des Sydney Hospital wieder. Eva wurde gründlich untersucht aber in Ermangelung der notwendigen Einrichtungen wurde entschieden, dass Eva für eine Ultraschalluntersuchung in ein anderes Spital transferiert werden muss – für diese Entscheidung brauchte es geschlagene vier Stunden! Nächste Destination war das riesige Prince of Wales Hospital, wo die Warterei von neuem begann. Chirugen und Gynäkologen rätselten, wo die Ursache für die Schmerzen liegen könnte. Ohne eine exakte Diagnose gestellt zu haben, fällte eine Ärztin um 02:00h die Entscheidung, dass Adrian zurück ins Hostel und Eva für eine Nacht in ein Zimmer verlegt werden muss. Am Folgetag gings ratzfatz – bereits um 15:00h wurde Eva in den OP geschoben, um 18:30h erwachte sie aus der Narkose – ohne Blinddarm, notabene! Gepflegt wurde Eva von einem eher äusserst netten Pfleger (how are you darling?), der jegliche Schmerzbekundung mit einer Dosis Morphium zu bekämpfen wusste. Erstaunlicherweise heissen hier alle Pfleger gleich: helloimoneofthenurse... Zwei Tage später durfte Eva, um drei Narben und eine Erinnerung wie sie nicht jeder an Sydney hat reicher, das Spital wieder verlassen.
Weitere zwei Tage später sollte es endlich losgehen. Am 13. August machten wir frühmorgens bei John's Carmarket unsere Aufwartung. To cut a long story short, wir mussten etwas länger warten und verliessen Sydney exakt zur abendlichen Rush-Hour Richtung Blue Mountains. Dies hatte verschiedene Konsequenzen: einen wüst-fluchenden Adrian – gestresst vom dichten Verkehr und ungewohnten Linksfahren, eine erste Fahrt in der Dunkelheit, wie wir sie möglichst verhindern wollten und um dem ganzen die Krone aufzusetzen einen bereits geschlossenen Campingplatz in Katoomba. So verbrachten wir die erste Nacht in unserem neuen Heim, verbotenerweise, auf einem verlassenen Parkplatz am Rande einer Parkanlage. Halb erfroren bestaunten wir am nächsten Morgen die Umgebung – ein wunderschöner Ort. Die Blue Mountains boten spektakuläre Lookout's, spannende Walks und gemütliche Städtchen. Ihren Namen verdanken die blauen Berge den Eukalyptusbäumen, deren freigesetzte ätherische Öle einen blau-schimmernden Dunst erzeugen.
Von den Blue Mountains gings weiter ins Hunter Valley, wo wir nachts nicht weniger froren. Endlich kam unsere Wintergarderobe zum Zug. Das Hunter Valley quillt über von Weingütern – Shiraz, Semillon und Verdelho sind die am häufigsten anzutreffenden Traubensorten. Zu Fuss gingen wir auf Degustations-Tournée. Auf unserem 15km-Marsch klapperten wir drei Weingüter ab und probierten uns durch ihr Angebot. Zudem gesellten wir uns zu ca. 15 Asiaten für eine interessante Tour bei Tyrell's. Leicht „gekäppelt“ (schliesslich haben wir, ausser dem einen Bier pro Land, keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken) stolperten wir zurück zu unserem BEAST! Wir durften feststellen, dass uns die liebliche Landschaft mehr zusagte als der Wein. Und der Wein war gewiss nicht schlecht!
Nach einer Tagesreise nordwärts landeten wir bei tiefster Dunkelheit in South West Rocks. Nach unserer ersten wärmeren Nacht erspähten wir vom Leuchtturm aus Buckelwale bei ihrer Wanderung Richtung Norden. Ein unvergessliches Erlebnis! Via Dorrigo National Park gelangten wir an die Emerald Beach in der Nähe von Coffs Harbour und hier war es Eva endlich vergönnt, ein Känguru in lebendigem Zustand und aus nächster Nähe zu bestaunen. Bis dato bewahrheiteten sich die Prophezeiungen – wir sahen unzählige Kängurus, leider tot am Strassenrand. Übrigens, das Wort „Känguru“ stammt von den Aborigines und bedeutet soviel wie „ich verstehe nicht“. Die Engländer zeigten immer auf die hüpfenden Tiere und wollten wissen, „was ist das?“ worauf die Ureinwohner mit einem Wort antworteten, das klang wie „Känguru“, was soviel bedeutete wie „ich verstehe nicht“.
Wie sooft bei unseren Spaziergängen waren wir beeindruckt von der unglaublichen Schönheit der Natur Australiens. Diese Weite des Wolkenmeers, unendlich lange, weisse Sandstrände und als Kontrast das tiefblaue Meer und dunkelgrünes Wald- und Buschland garniert mit Blüten verschiedenster Farben, am auffallendsten jene in knalligem Rot; Königspapageien, Kängurus mit Joey (Jungtier), Kookaberras, Wale, Delfine, Kakadus, Schlangen und Skinke, Leguane, Warane, Springmäuse, Seeadler. Nach dem Eindunkeln kann man die nachtaktiven Tiere bestaunen, so wie jenes erkältete Opossum, dessen laufende Nase auf Eva's Knie tropfte oder wie jenes kleine Wallaby, das uns im Nightcap National Park jeweils Nachts besuchte. All diese Tiere durften wir in ihrem selbstgewählten Lebensraum beobachten. Unglaublich was man mit ein bisschen Geduld und offenen Augen und Ohren alles zu sehen, bzw. zu hören bekommt. Dies ist auch der Grund, weshalb ein Zoobesuch keine Priorität mehr geniesst (tut uns leid, Crocodile Hunter selig). Eine kleine Ausnahme machten wir für das Koala-Hospital in Port Macquarie, das älteste Koala-Spital der Welt. Dort werden mit grösster Hingabe verletzte oder aus ihrer Umgebung vertriebene Koalabären gehegt und gepflegt, damit sie wieder in ihr Revier zurück können. Über 100 freiwillige gewähren einen sieben-Tage-24-Stunden-Dienst. Das Spital verfügt sogar über eine Intensivstation. Wir liessen es uns nicht nehmen, ein Koalamädchen namens William Krystal für ein Jahr zu adoptieren.
Sehr angetan waren wir von Brisbane, dessen River quer durch die Stadt uns ein wenig an das Rheinknie erinnert hat. Mit dem City Cat, einem pfeilschnellen Katamaran, machten wir eine romantische Stadtrundfahrt auf dem Wasser. Die Einheimischen nutzen den City Cat wie wir das Tram. Der Botanische Garten und das gegenüberliegende Southbank lassen einen vergessen, dass man sich mitten in einer Millionenmetropole befindet. Das Busfahren erwies sich als sehr effizient, haben die Busse doch zum Teil ihr eigenes Strassennetz. Auch das Stadtzentrum mit seinen schönen Altbauten umgeben von topmodernen Wolkenkratzern und die Fussgängerzone Queen Street mit Strassenkünstlern und Bistros sagten uns sehr zu.
Am 30. August konnten wir erstmals einen freilebenden Koalabären erspähen. Hoch oben in der Astgabel eines Gum Trees machte er es sich für ein Nickerchen bequem.
In Bälde könnt ihr auch den Bericht über unsere Camel Trophy auf Fraser Island lesen. Ausserdem wartet schon bald das Great Barrier Reef auf uns und der Daintree National Park im Nordosten, bevor wir uns in den Outback wagen. Ein Wiedersehen mit Tanya und Michi, die zwei Schweizer, die wir in Bali kennengelernt haben, steht auch noch an.
Wir melden uns wieder, irgendwann, wenns wieder Strom gibt, oder Internet, oder beides...
Eva und Adrian mit THE BEAST und William Krystal
