Mo
28
Sep
2009
Fraser Trophy...
Fraser Island, für die meisten bedeutet dies eine geführte Tour in einem allradgetriebenen Monstercar oder in einem gutausgerüsteten Mietauto, z.B. einem Toyota Landcruiser, der hierzulande als beinahe unzerstörbar gilt... Kaum jemand aber wagt das Abenteuer mit einem Mitsubishi Express 4WD Cämpervän. Eigentlich wollten wir von Hervey Bay aus starten, da gemäss unserem Guide die Landung dort einfacher sei. Nun waren wir aber schon mal in Rainbow Beach und das Fähr-Ticket auch noch günstiger. Wir inspizierten die Ablegestelle der Fähre und durften feststellen, dass man sogar zu Fuss beinahe stecken blieb. Es bestätigte sich, was wir von verschiedener Seite schon gehört hatten: die Bedingungen waren in Folge der langen Trockenheit besonders schwierig... Auf den ca. 400m von der Strasse zur Fähre mussten - zu unserer grossen Freude - mehrere Fahrzeuge aus dem Sand befreit werden. Allenthalben wurde geschaufelt, gebuddelt, gestossen, geflucht und mit heulendem Motor wieder angefahren – nur um noch tiefer zu versinken... Voller Zuversicht kehrten wir zu unserem Beast zurück – und schwiegen erst mal eine Minute, nachdem wir leer geschluckt hatten... Danach fällten wir den Entscheid, jetzt oder nie, das kann doch unser Beast nicht aufhalten! Wir besorgten uns die notwendigen Bewilligungen, kauften gross ein (Proviant, Gas, Benzin, Reifendruckmesser und Abschleppseil – vielleicht wäre ja unsere Hilfe gefragt...;-)) und gönnten uns eine letzte Nacht in einem Caravan Park mit heisser Dusche.
Nach einem letzten Angst-Bisi gings frühmorgens los in Richtung Ablegestelle. Die Überfahrt wollte genau getimt sein, da die Fahrt an der Ostseite von Fraser Island nur in Abstimmung mit den Gezeiten möglich ist – 2 Stunden vor und nach Ebbe ist der Strand als Highway tauglich. Die Anfahrt zur Fraser Explorer Fähre gestaltete sich schon ziemlich abenteuerlich. Nach wenigen Metern blieb ein vollbesetzter Toyota Landcruiser im Sand stecken (vollbesetzt bedeutet in diesem Fall ca. 10 Personen). Die Gruppe von „Bettseichern“ hatte den Ratschlag, den Reifendruck zu senken, nicht befolgt... Ein weiteres Fahrzeug mit Anhänger wollte überholen und sackte ebenfalls im tiefen Sand ein. Unser Beast hatte seine erste Sternstunde und zog unbeirrt seine Bahn bis auf das Deck der Fähre. Natürlich hatten wir vorher noch unsere Hilfe angeboten! Nun war uns endgültig klar, welch Glücksgriff wir mit unserem Gefährt gemacht hatten!
Nach einer kurzen Überfahrt landeten wir auf Fraser und fuhren friedlich den wunderschönen Strand entlang – unbeschreiblich, für die Einen nur ein Strand, für die Anderen wohl die schönste Autobahn der Welt. Der Frieden währte nur kurz, das böse Erwachen wartete in Form eines Inland-Tracks auf uns - „a little bumpy...“ war wohl doch ein wenig untertrieben... Übelste Schlaglöcher, tiefster feiner Sand und diffuse Lichtverhältnisse hielten die Reisegeschwindigkeit bei ca. 10 km/h. Schliesslich blieben wir in einer Steigung in tiefem Sand stecken und Eva machte ihr Versprechen wahr: mit blossen Händen – den Kauf einer Schaufel hatte sie vehement verweigert – buddelte sie uns frei und die Fahrt konnte weitergehen...:-) Nach einer sehr anstrengenden Stunde erreichten wir unser erstes Nachtlager am Lake Boomanjin. Der Lagerplatz war übrigens umzäunt – wegen der Dingos. Diese wurden vor 12'000 Jahren von den Aborigenes eingeführt und sind nirgends so reinrassig wie auf Fraser Island, da sie sich hier nie mit Hunden kreuzen konnten. Bizarr unsere erste Begegnung mit einem ausgehungerten Dingo-Paar (momentan ist die Zeit der Aufzucht der Jungen): sie streiften auf der Suche nach Essensresten um den eingezäunten Zeltplatz, wo alles aufgeregt am Fotografieren war. Wir leider nicht, die Kameras waren im Auto und dieses ausserhalb des Zaunes... Wohl einmalig, diese Konstellation, dass der Mensch hinter Gittern und das Tier in Freiheit ist. Eigentlich zum Schutz der Menschen, aber irgendwie wohl eher zum Schutze dieser Tiere... Übrigens ergibt sich aus dieser Umzäunung ein neues Problem - so belehrte uns der Ranger - die Ratten, schlau wie sie sind, halten sich vermehrt innerhalb der Zäune auf, so dass die Dingos ausserhalb weniger Futter finden. Gleichzeitig führt das aber auch dazu, dass die Schlangen – etliche sehr giftige Exemplare darunter – ihr Jagdglück immer öfter auf den Zeltplätzen suchen. Eingriffe in die Natur sind selten einfach und die Konsequenzen kaum abzuschätzen... Bei jedem Vorfall mit einem Dingo wird dieser übrigens abgeschossen; dabei spielt es keine Rolle, wie der Vorfall zu Stande kam.
Unser Spaziergang um den Lake Boomanjin, den grössten oberhalb des Grundwasserspiegels liegenden Sees der Welt mit 200 Hektaren gehörte zu den vielen Höhepunkten unseres Fraser-Aufenthaltes. Mutterseelenallein wanderten wir an seinem Ufer, wo das Wasser beinahe cognacfarben war. Unbeschreiblich, der Übergang in das tiefblau, das der See weiter vom Ufer entfernt aufwies. Dazu ein beinahe schneeweisser Sandstrand sowie blauer Himmerlund Wolken zum Greifen nahe. Am Folgetag wartete ein Höllenritt zum Lake McKenzie auf uns. Sowohl unser Beast als auch unsere Bandscheiben wurden an ihre Grenzen geführt. Schlussendlich standen wir vor einem Schlagloch am Ende eines Aufstiegs. Dieses war so tief – zudem nur auf der rechten Seite – dass der Pneu zuerst in der Luft hing und sobald er Bodenkontakt bekam, grub er sich umgehend im Sand ein. Ganz zu schweigen von der Schräglage... Da half alles Buddeln nichts, hier war der Pfadfinder in Eva gefragt. Sie schaufelte das Loch mit Sand notdürftig zu und bedeckte alles mit Ästen. Adrian setze 50m zurück und kam – diesmal mit Anlauf – wieder auf das Riesenschlagloch zu. Es knallte, knirschte, die Einrichtung des Autos wurde kräftig durchgeschüttelt und der Van kippte beinahe, aber irgendwie kamen wir durch – unglaublich... In ähnlichem Stile, aber nicht mehr ganz so gefährlich, absolvierten wir an diesem Tag 18km (wofür wir ca. 2 ½ h brauchten). Der See entschädigte uns aber reichlich. Ein weisser Traumstrand und türkisfarbenes (eiskaltes) Wasser boten eine unvergleichliche Szenerie. Allerdings wurden die Leute haufenweise heranchauffiert, in den erwähnten 4x4 Monsterbussen. Die Nacht verbrachten wir im riesigen Central Station Campground – unter dichtestem Blätterdach. Beinahe hätten wir vergessen, dass wir uns auf der grössten Sandinsel der Welt befanden. Einem Morgenspaziergang im Pile Valley folgte eine weitere Etappe der Fraser Island Trophy zum Maheno Schiffswrack. Ursprünglich ein in Schottland gefertigtes Passagierschiff, das während des 2. Weltkrieges als Spital diente, wurde es später in Richtung Japan abgeschleppt und ging bei rauer See verloren. Nachdem es als Ziel für die Kampfpiloten der australischen Luftwaffe herhalten musste, ist es heute am Strand von Fraser Island der Natur überlassen. Eindrücklich, was diese im Verlaufe der Jahrzehnte mit dem Schiff gemacht hat – wie lange es wohl noch dauert, bis das Schiff ganz verschwunden ist? Die beiden letzten Nächte verbrachten wir in Strandnähe in Dundubara. Den Wungul-Sandblow-Circuit nahmen wir am Morgen des 5. September in Angriff. Nach ungefähr 45 Minuten wandern durch dichten Busch und Wald eröffnete sich uns ein unbeschreiblich schönes Bild: eine riesige Sanddüne zog sich mitten durch die Vegetation. Man wähnte sich von einem Moment auf den Anderen in der Sahara. Fantastisch der Kontrast des Sandes mit dem Himmel, den Wolken, dem umgebenden Buschland und dem Meer. Wir hoffen, dass die Bilder wenigstens einen Teil der Schönheit dieses Ortes wiedergeben können! Um den Tag zu beschliessen, fuhren wir zum Indian Head, einer spektulären Felsnase ins Meer, von wo aus wir Delfine, Mantas (springende!), Haie und Schildkröten von der senkrecht abfallenden Klippe beobachten konnten. Die Tipps des überaus freundlichen Rangers zahlten sich aus. Als Alternative schlug er uns noch einen längeren Walk vor, legte uns aber sehr ans Herz, eine Bandage mitzunehmen, wegen der Schlangenbisse. Zudem sollten wir ihm eine Nachricht im Auto hinterlassen, damit er wisse, wo wir zu suchen seien... no worries...
Nach Fraser Island überlegen wir ernsthaft, uns für Paris-Dakar oder die Camel-Trophy anzumelden...;-) Die 4x4 Feuertaufe hat unser Auto jedenfalls mit Bravour bestanden! Wir freuen uns nun und fühlen uns gewappnet für die wirklich herausfordernden Touren nördlich von Cape Tribulation...:-)
See you later, mates
Eva & Adrian
