Di
29
Sep
2009
Weitere OZ-Highlights im Osten...
Unser letzter Vormittag auf Fraser war eigentlich „nur“ für die Rückfahrt zur Fähre reserviert, doch durften wir zwei weitere unerwartete Highlights erleben. Zuerst konnten wir zwei Buckelwale während ca. 20 Minuten beim Spielen unmittelbar vor der Küste beobachten; welch Spektakel! Danach verabschiedete uns ein Dingo bei der Fähranlegestelle, so dass wir das verpasste Foto doch noch nachholen konnten.
Zurück auf dem Festland, gönnten wir unserem tapferen Beast eine Runde im Auto-Spa: Unterbodenwäsche, Einseifen, Hochdruckreiniger, Wachs und natürlich Politur liessen unser Auto in neuem Glanz erstrahlen. Nicht zu vergessen der Aufkleber „We've done Fraser!“...
Nach zwei Tagesreisen landeten wir im Cape Hillsborough National Park, wo wir direkt an der Beach campen konnten. Wir wählten für die erste Nacht den kommerziellen Caravan Park, wollten wir doch noch Kleider waschen. Dies gestaltete sich als besonderes Vergnügen, leisteten uns doch mehrere Kängurus Gesellschaft. Sie faulenzten im Schatten der aufgehängten Wäsche und liessen sich durch niemanden stören; ein kurzes Schnuppern am Bein, das wars auch schon, bevor man sich wieder dem Gras zupfen widmete... Interessanterweise logierte neben uns eine vierköpfige CH-Familie, die sich eine einjährige Auszeit in Down-Under gönnt. Die Kinder dürfen in der Schule ein Jahr aussetzen (das sei das kleinste Problem gewesen!), dem Papa wird der Arbeitsplatz bei der SBB offen gehalten... Die Zeit vertrieben wir uns mit diversen Walks, Jogging (nur Adrian...;-)) und Sonnenuntergängen der schöneren Art. Auf einem der Walks hatten wir eine überraschende Begegnung mit einer Schlange, dies nachdem wir intensiv die Infoplakate auf dem Camping Platz studiert hatten. Offenbar findet man in dieser Region unter anderem den Taipan, die giftigste Schlange der Welt, sowie wie weitere gefährliche Arten. Leider entpuppte sich das von uns fotografierte Tier als harmlose Baumschlange. Wobei, ganz sicher sind wir uns da nicht...
Die folgende Nacht verbrachten wir auf einer National Park Camp Site, mit direktem Zugang zum Traumstrand. Auch hier erlebten wir einen märchenhaften Sonnenuntergang. Vor der Weiterfahrt verabredeten wir uns mit Tanya und Michi – den beiden Schweizern, die wir auf Bali kennengelernt hatten – in Airlie Beach. Gross war die Wiedersehensfreude und es gab eine Menge zu erzählen. Zuerst wollten wir uns über die Tourmöglichkeiten in die Whitsunday-Islands erkundigen; und buchten nach wenigen Minuten Bedenkzeit einen viertägigen Segeltörn mit Tauch- und Schnorchelgelegenheit. Untergebracht waren wir in einem wunderschönen Dreimaster in einer Kajüte mit Bullauge und eigenem Bad, ein Traum! Dazu gabs einen schönen Salon, ein grosszügiges Sonnendeck, Vollpension (mit Znüni/Zvieri) sowie eine unterhaltsame Crew. Die Zeit zwischen Ausflügen (z. B. an die traumhafte Whitehaven Beach, übrigens viertmeistfotogafierter Ort Australiens), Schnorcheln, Tauchen, Essen und Kotzen (so 'ne Seefahrt die ist lustig...) vertrieben wir uns mit einem gemütlichen Schieber. In besonderer Erinnerung verbleibt uns – neben der kurzweiligen Zeit mit Tanya und Michi – jene beinahe hautnahe Begegnung mit einem riesigen Napoleon-Fisch. Nicht zu vergessen jene Tränen, die wir vor lachen vergossen, als wir uns gegenseitig ein best-of von „Verstehen sie Spass“ vorspielten („Söll emoll cho!!!“ und Gipfeli in fremden Kaffeetassen scheint ein jeder Schweizer zu kennen...). Viel zu schnell waren die gemeinsamen Tage vorüber, so dass wir den letzten Abend in die Länge zogen, bis den Ersten die Augen zufielen (gäll Michi...). Eigentlich sollte uns Roger Federer den Abschied erleichtern, warteten wir doch am Morgen auf ein erlösendes SMS aus der Schweiz. Als sich im Finale der US-Open ein 5. Satz abzeichnete, suchten wir doch noch nach einer Bar mit TV. Wir wurden fündig und hofften – wie damals auf Bali mit dem Wimbledon-Finale – auf ein Happy-End... Bekanntermassen wurde nichts daraus, so dass nicht ganz klar ist, wer beim Abschiednehmen aus welchen Gründen feuchte Augen hatte...
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Mission Beach – nach Cassowaries (Riesenvögel, mit dem Emu verwandt) hielten wir leider vergebens Ausschau – kamen wir nach Cairns, dem Gateway zum Great Barrier Reef. „Dasmoll nid drischiesse!“ versprachen wir uns noch vor dem Prodive-Shop und betraten den Laden, um uns über Tauchtouren zu informieren. 5 Minuten später war eine 3-tägige Tauchtour mit 11 Tauchgängen (davon 2 Nachttauchgänge) gebucht... Das Angebot war zu gut, waren doch noch genau 2 Plätze für den Folgetag offen. Um 06.15 Uhr wurden wir abgeholt und auf das (Big Brother-) Boot verfrachtet. Crazy Scuba-Steve wies uns die Kajüten zu. Er machte seinem Namen alle Ehre, ein komplett durchgeknallter Aussie, der pausenlos mit heiserer Stimme durchs Boot brüllte (ein Glück, dass man unter Wasser nicht sprechen kann...). „Fantastic!“, „Awesome!“, „Brilliant!“, „Beautiful!“, „Great!“ war so ziemlich alles, was in Steves Blickfeld kam; so kommentierte er in unnachahmlicher Weise, als ihn Eva auf ihr Nasenbluten nach einem Tauchgang hinwies: „You're bleeding, that's great, yeah!“ und galoppierte von dannen... Zur Beruhigung bekamen wir von einer Tauchinstruktorin die Entwarnung, dass das in Folge des Drucks auf die feinen Blutgefässe in der Nase oft passiere. Erwähnung verdient auch die Französin Pauline, die uns hervorragend bekochte und jeweils mit dem Ausspruch:“Söööcoond Taaaiim, if you want“ zum Nachschöpfen einlud. Nicht nur die Crew hatte es in sich, auch die Passagiere waren nicht ohne. Zeitweise wähnten wir uns auf Klassenfahrt oder im Big-Brother-Container. Da wäre jene Familie zu nennen, neben der die Osbournes verblassen würden. Doktor Russell mit Gattin Doritt und den Töchtern Venus und India, wobei Papa Russell kaum älter als die vermeintlichen Töchter war und Mama Doritt mehr Silikon in den Lippen hatte, als die Töchter in den Brüsten... Dann war da ein nettes deutsches Päärchen. Er sah aus wie Kachelmanns dicker Bruder, war meist mit Cowboy-Hut und Sonnenbrille bewaffnet lesend zu finden. Dümmer war dann, als ihm der Hut davonflog und er sich bei der Rettungsaktion die Brille von der Nase schlug und unglücklicherweise darauf stand... Schlussendlich überraschte er uns mit der frage.“Ja lernt ihr denn Hochdeutsch in der Schule...!“ Auch Spanien schickte zwei Anwärter ins Rennen, Ana und Carlos, die Hand in Hand ins Unterwasserland schwebten (an Land war von Schweben nicht die Rede, zerlegte Carlos doch beim ersten Hinsetzen mit seiner linken Pobacke die Eckbank im Salon). Unter Wasser wollten wir bereits erste Hilfe leisten, als sich jemand auf dem Meeresboden wälzte und beinahe in einer Sandwolke verschwand. Auf den zweiten Blick realisierten wir völlig verblüfft, dass wir da Zeugen eines Unterwasser-Foto-Shootings wurden; Ana räkelte sich in verschiedensten Posen für den wild fotografierenden Carlos auf dem Meeresgrund... Eigentlich war uns ja eingeschärft worden, genau das nicht zu tun, um nichts zu zerstören und wegen der Rochen und anderer Meeresbewohner... Auch ein Aussie erlangte unsere Aufmerksamkeit, schaffte er es doch schon am ersten Tag zu einem respektablen Sonnenbrand, trotz langärmliger Kutte mit Kapuze... Als unbestrittene Sieger gingen schlussendlich jene beiden hervor, die sich am zweiten Abend gefunden und am Dritten wieder getrennt hatten... Wobei getrennt vielleicht nicht ganz der richtige Begriff ist; es war wohl eher so, dass sie ihn – vor den Augen aller 30 Teilnehmer und 10 Crewmitglieder – abservierte. Nicht einmal im selben Bus wie sie durfte der arme Sasche vom Hafen wegfahren. Sasche war ein zutätowierter, kettenrauchender, langhaariger, immer ein wenig heiserer und leicht verbrannter End-30er, während seine Angebete eine grossgewachsene, Männer-Anstrahlende Mitt-30erin war. Gott sei Dank gabs da noch Anuschka und Roman, die beiden Luzerner, die uns ein bisschen Normalität boten... Ach ja, getaucht sind wir auch und haben es sehr genossen. Vor allem der jeweils erste Tauchgang am Morgen und die Nachttauchgänge haben es uns angetan. Der rege Betrieb frühmorgens und die spezielle Stimmung während der Nachttauchgänge waren faszinierend. Rochen, Haie, Barrakudas, Korallengärten, unzählige kleinere Fische und vor allem die nahen Begegnungen mit einer Vielzahl an Schildkröten machten das Tauchen am Great Barrier Reef für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis. Übrigens, die Unterwasserfotos haben wir alle selbst gemacht und dabei KEIN Zoom verwendet!
Müde, aber glücklich kamen wir am Sonntagabend wieder nach Cairns zurück, von wo aus wir am Montag Richtung Westen losfuhren. Doch davon später mehr...
Liebe Grüße,
Eva & Adrian
