Mo
16
Nov
2009
Outback und Reisekoller...
Der folgende Bericht deckt ein eher kleines Zeitfenster, dafür aber umso grössere Reisedistanzen ab. Die Gründe dafür sind einerseits die gewaltigen Distanzen, die im Outback zwischen den einzelnen Orten zurückzulegen sind, andererseits wurden wir erstmals von einem richtigen Reisekoller heimgesucht, sodass wir uns entschieden haben, möglichst rasch in den Westen zu gelangen, um es dort ein wenig gemütlicher anzugehen.
Nach unseren Tauchabenteuern am Great Barrier Reef machten wir uns auf in Richtung Westen; via Darwin wollten Westaustralien wir anpeilen. Schon wenige Stunden nach Cairns erreichten wir das Winke-Winke-Land, wo man die selten entgegenkommenden Fahrzeuglenker grüsst und sich vor den Road Trains in acht nehmen muss. Diese Ungetüme sind mindestens 36.5m und maximal 53.5m lang, fahren 100 km/h, haben nebst bis zu vier Anhängern einen sehr langen Bremsweg und verursachen Steinschlag und einen gewaltigen Luftwirbel. Ein von Eva filmisch festgehaltenes Überholmanöver dauerte sage und schreibe 45 Sekunden vom Moment des Ausscherens bis zum Wiedereinspuren... Stundenlang fuhren wir geradeaus – wir wünschten uns sehnlichst einen Tempomat – und bestaunten die faszinierende Weite einer sich doch immer wieder leicht verändernden Landschaft. Erstmals stiessen wir auf die für Australien so typischen roten Sand- oder Staubstrassen. Damit keine Langeweile aufkam, studierten wir eine kleine Wink-Choreographie ein... Vor lauter Vorfreude machten wir uns fast ins Hemd – dümmer nur, dass wir das nächste Fahrzeug erst ca. 1.5 h später kreuzten. Jedenfalls sorgte unsere Performance immer wieder für Belustigung...
Nach zwei Gewaltsfahrten erreichten wir die Oase im Outback, die Minenstadt Mount Isa, die mit knapp über 20'000 Einwohnern nicht eben bevölkerungsreich, von der Ausdehnung aber die drittgrösste Stadt der Welt ist. Unser Beast musste erstmals in die Garage – zum planmässigen Service wohlverstanden. Wir besuchten währenddessen das Underground Hospital der Stadt. Dieses wurde während des 2. Weltkrieges von Minenarbeitern auf der Rückseite des Spitals in kürzester Zeit in den Hügel gegraben. Nach dem Angriff der Japaner auf Darwin befürchtete man, dass Mount Isa als nächstes Ziel herhalten müsse. Gott sei Dank musste das Underground Hospital nie seinen eigentlichen Zweck erfüllen, genutzt wurde es später einzig von den Nachtschwestern des Spitals – sie legten sich in den kühlen Gängen im Untergrund schlafen... Spannend war dann eine kurze Unterhaltung mit den beiden älteren Damen, die uns durch das Spital geführt hatten. Sie waren offensichtlich ein wenig neidisch auf unsere Reise, denn ihr Leben handelte die eine Dame folgendermassen ab:“ You go to school, you go to work, you marry young, you have children – FINITO!“ Sie erklärten uns auch, dass sie überhaupt nicht rassistisch seien, die Australier, das komme alles von diesen negativen Einflüssen von Aussen, von diesen Einwanderern... Nach einem kurzen Besuch in einem Zentrum der Royal Flying Doctors, die übrigens mit einem Pilatus-Flugzeug unterwegs sind, holten wir unser Auto wieder ab und starteten die nächste Mammutfahrt... Die folgende Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz eines Roadhouses. Diese Roadhouses haben eine sehr spezielle Funktion, sind sie doch Tankstelle, Supermarkt, Poststelle, Campingplatz, öffentliches WC, Restaurant, Souvenirshop etc. da der nächstgelegene Ort meist Stunden entfernt liegt. Meist hat es 5-10 permanente Bewohner, (mehr in der Trockenzeit) die medizinische Versorgung stellen die fliegenden Ärzte sicher. Interessanterweise hatten wir die schnellste Internetverbindung in einem Roadhouse – wireless und gratis, wohlverstanden...
Da wir uns entschlossen hatten, den Uluru auszulassen, wollten wir uns die Devils Marbels nicht entgehen lassen. Frühmorgens machten wir uns auf den Weg und wurden kurz vor dem Ziel von einer Polizeikontrolle aufgehalten. Nach erfolgreich bestandenem Alkoholtest – es war 10 Uhr morgens – wünschte uns der Officer eine gute Weiterreise. Die aus dem nichts auftauchenden riesigen Gesteinsbrocken vermochten uns auf Anhieb zu faszinieren. Wir wurden Zeuge eines zauberhaften Schauspiels: die Gesteinsbrocken veränderten in Folge der wandernden Sonne ihre Farbe allmählich von einer Art ocker über goldfarben bis feuerrot, unbeschreiblich schön! Via Tennant Creek, wo wir zum ersten Mal mit den Ureinwohnern und ihren offensichtlichen Alkoholproblemen konfrontiert wurden, erreichten wir Mataranka im Northern Territory. Dort genossen wir ein Bad in den warmen Quellen im Urwald gleich neben dem Campground. Es roch allerdings ein wenig streng und ausnahmsweise lag das nicht an uns. Tausende von Flying Red Foxes hingen in den Bäumen, um bei Dämmerung auf Beutesuche zu gehen. Es bot sich uns ein unvergleichliches Spektakel, Millionen von Fledermäusen schwirrten über uns hinweg und verdunkelten den Himmel.
Als nächstes stand ein Abstecher in den Kakadu National Park auf unserem Reiseprogramm. Das Bad im malerischen Gunlom Pool wollte hartverdient sein. Unser Auto musste ca. 35 km übelst „corrugateter“ Strasse über sich ergehen lassen. Nebst den Schlägen von untern galt es auch noch Adrians Kraftausdrücke zu verdauen – alle Beteiligten wurden auf eine harte Probe gestellt... Kaum ausgestiegen, machten wir Bekanntschaft mit unzähligen Fliegen; sie sollten uns beinahe den Verstand kosten. Nach einer kurzen Wanderung wurden wir in Form eines natürlichen Pools, den wir exklusiv benutzen konnten, für die Anstrengungen reich belohnt. Der zweite Tag stand im Zeichen der Aborigines. Nach einem Besuch im parkeigenen Museum machten wir uns auf, verschiedene Höhlenmalereien zu betrachten. Der krönende Abschluss war der Sonnenuntergang über Ubirr, den wir in mitten von ca. 100 anderen Touristen auf einem Felsplateau genossen. Dass das Wandern nicht des Australiers Lust ist, stellten wir spätestens am dritten Tag fest. Als wir uns zum wiederholten Male bepackt mit genügend Getränken, Sandwiches und Äpfel auf den Weg machten, war der Loop zu Ende, bevor sich unser Durst gemeldet hatte.
Nächste Station war die Tropenstadt Darwin, wo wir für die zweite Hälfte unserer Reise in den Westen ein wenig Kraft sammeln wollten... Höhepunkt unseres Aufenthaltes war der Besuch des Deckchair-Cinemas mit Aussicht auf das offene Meer und ziemlichem Fledermaus-Flugverkehr. Wir genossen die Atmosphäre und hatten danach ein wenig zu kauen, hatten wir uns doch einen nicht leicht zu verdauenden Film mit John Malkovich (Disgrace) ausgesucht... In einem Luftfahrt-Museum bestaunten wir die unglaublichen Dimensionen eines B-52-Bombers, dem einzigen seiner Art ausserhalb der USA. Mit dem Besuch des Museum and Art Gallery of the Northern Territory kam auch der kulturelle Aspekt nicht zu kurz. Wir rundeten unseren Darwin-Besuch mit einem Auswärts-Essen – bis dahin hatten wir immer selbst gekocht – bei Outback Jacks ab. Wir liessen uns Krokodil und Känguru schmecken – und stiessen zu spät auf jenes Angebot, dass alle männlichen Restaurantbesucher (auch Adrian bildete keine Ausnahme, aber im Alter wird man(n) wohl vernünftiger – wobei man das bei der Erinnerung an Beats Hackbraten ein wenig in Frage stellen muss...) so sehr in Versuchung führte: ein 1 Kilogramm Rumpsteak, dass man zum halben Preis bekommt, sofern man es innerhalb einer halben Stunde zu verzehren vermag... Ein beleibter Familienvater vollendete sein Werk in knapp 20 Minuten, was seiner Tochter – ca. 7-jährig und etwa 70 Kilogramm schwer – ein T-Shirt einbrachte... Am Nebentisch vermochte er der Verlockung des Angebots kaum zu wiederstehen; es gab eine kurze, aber heftige Diskussion, wofür sie ihn nach draussen bat, danach bestellten sie – und er bekam ein winzig kleines Steak, sie verspies einen ungleich grösseren Burger... Adrian kam am Folgetag doch noch zum ersehnten Aussie-Burger, im Rahmen des Besuchs des betriebsamen Mindil-Markets (siehe Foto)...
Danach waren wir back on the road, begleitet von Slim Dusty & Co.
...Fortsetzung folgt...
